Gestern meldete der Independent im Artikel
UFO sightings on the rise, dass in Großbritannien nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums die Anzahl der UFO Sichtungen ansteigen. Vielleicht hat das damit zu tun, dass aufgrund der Öffnung der militärischen Archive zu UFO-Untersuchungen und die steigende Anzahl an entdeckten Exoplaneten das Interesse an UFOs in Grobritannien auch zu mehr Sichtungen führt. Vielleicht sind sie einfach eine andere Form, in der sich kollektive Paranoia und Ängste äußern, die die britiche Gesellschaft umtreiben oder es existieren UFOs und die Extraterrestrier lieben die britischen Kornkreise.
Eine andere Erklärung für die steigende Anzahl an Sichtungen könnte die steigende Anzahl von unbemannten Drohnen sein, die in vielfältiger Form experimentell und operational im Luftraum
unterwegs sind, demnächst auch neben normalen Flugzeugen im zivilen Luftraum.
Die Zahl der "UFO" Sichtungen könnte dramatisch ansteigen, wenn der ehemalige Ingenieur für Hoovercraft-Luftkissenfahrzeuge Geoff Hatton seine Vision einer unbemannten Drohne verwirklichen kann. Seit 2002 werkelt der Ingenieur mit seinem Team und wechselnden Geldgebern, zu denen auch das US-Militär und das britische Handelsministerium gehörte, an seinem GFS UAV ("Unmanned Air Vehicle"), das nach ihm benannt ist: "Geoffs Flying Saucer" UAV.
Warum seine Drohne mit UFOs zu tun hat, wird neben dem ursprünglichen Namen seiner Firma
GFS Projects Limited deutlich, wenn man sich die Drohne in einem
Video anschaut, das im Mai 2007 mit der Experimentalversion GFS13A gedreht wurde:
Ähnliche Bilder wie die von der Drohne im Flug kann man zu Hunderten auf den Websites der UFO-Forscher bewundern, nur das hier die "Flying Saucer" menschlichen Ursprungs ist. Noch deutlicher wird die UFO Analogie, wenn man sich die Designzeichnung anschaut, die wiedergibt, wie eine größere Ausgabe seines GFS UAV ausschauen könnte, in der noch ein menschlicher Pilot das Ding steuert.

Abbildung: GFS Projects Limited.
Der Look erinnert sowohl an die
futuristischen Illustrationen der 50er - 70er Jahre, als auch an den
Avrocar, mit dem das US-Militär in den 50er Jahren eine fliegende Untertasse bauen wollte. Die Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr, denn der Avrocar und das GFS UAV nutzen zum An- bzw. Auftrieb den sogenannten
Coandă-Effekt, für dessen Nutzung in seinem UAV Hatton Patente hält.
Der Effekt bezieht sich auf die Eigenschaft eines Gas-Strahls, an konvexen Oberflächen anhaftend entlangzuströmen, wie sie auch das GFS UAV aufweisen. Dieser Strom wird als Schub zum An- und Auftrieb genutzt. Auf der Zeichung erkennt man oben einen Kranz von Düsen, aus denen wohl der Gas-Strahl austreten und dann über die Oberfläche des UAVs laufen würde. Um aber diesen Effekt vollständig und so zu nutzen, dass ein Fluggerät eine stabile Fluglage behält und fliegt, muss mit hohem Energieaufwand ein sehr starker Gas-Strahl erzeugt werden, dass Fluggerät über eine gewisse Masse verfügen und eine gute Steuertechnik existieren, woran der Avrocar scheiterte.
Ob es Hatton gelungen ist, diese Probleme zu lösen und aus seinem Vehikel ein marktreifes UAV zu entwicklen, steht noch aus. Im Gegensatz zum US-Militär, das immer an kleineren senkrecht startenden Drohnen für den Einsatz in städtischen Kampfzonen interessiert ist, zeigte sich das britische Verteidigungsministerium bis jetzt nicht begeistert vom GFS UAV. Eine weitere Chance, das britische Militär zu überzeugen, erhält Hatton während des Grand Challenge Wettbewerbs des britischen Verteidigungsministeriums, bei dem es auch um
neue Konzepte für den Einsatz von Drohnen geht. Dort ist GFS Projects zusammen mit der britischen Konstruktionsfirma
Mira am MIRA Team beteiligt.

Ein Typ des GFS UAV und ein unbemanntes Bodenfahrzeug ("Unmanned Ground Vehicle", UGV) des MIRA Teams während der Grand Challenge 2008. Da zu den Aufgaben der Grand Challenge auch die Kooperation zwischen UGVs und Drohnen, sowie die Erkennung selbstgebauter Sprengfallen ("Improvised Explosive Device", IED) mit UGVs in städtischen Kampfzonen zählte, hatte das MIRA Team wie
andere Teilnehmer der Grand Challenge ein UGV dabei.

Ein anderer Typ des GFS UAV im Flug. Das MIRA Team erhielt von der Jury die Auszeichnung für den höchsten Grad an Autonomie, die einen weiteren Aufgabenschwerpunkt darstellte. Wie man im rechten Foto erkennen kann, werden Drohnen wie das GFS UAV in Projektphasen und Wettbewerben trotzdem auch ferngesteuert geflogen. Laut der FlightGlobal Meldung
First autonomous coanda effect UAV flight by December vom 27.08.2008 soll das "Fenestar 50" Modell des GFS UAV Ende 2008 seinen ersten vollautonomen Testflug unternehmen.
Abbildungen: U. K. Ministry of Defense.
Aus Sicht von Hatton gibt es genug
Anwendungen für die GFS Drohne: Neben dem Einsatz für Inspektionen, Such- und Rettungsmissionen sei die Drohne bestens für militärische und ziviele Überwachungsaufgaben in Städten geeignet, weil die Drohne nahe an oder in Gebäuden schweben und fliegen könne und keine aussenliegenden Rotoren hat, die bei Zusammenstößen mit Mauern zum Absturz führen könnten.
Über ein anderes Konzept zum Bau eines Fluggeräts in UFO-Form berichtete Scientific American im Beitrag
The World's First Flying Saucer: Made Right Here on Earth. Das von seinen Entwicklern
Wingless Electromagnetic Air Vehicle (WEAV) genannte UFO soll an seiner Oberfläche Elektroden erhalten, die von einer starken Energiequelle versorgt, die umgebende Luft ionisiert und in Plasma umwandelt, das dann für den Auf- und Antrieb genutzt wird. Auch bei diesem UFO ist das Hauptproblem, eine geeignete Energiequelle zu finden, die genug Energie liefern kann ohne das ganze Fluggerät unwirtschaftlich zu machen. In kleinerer Bauform und unbemannt könnte man sich das WEAV auch als Überwachungs-Drohne vorstellen.

Schema des WEAV "UFO" mit den gelb gezeichneten Elektroden auf der Oberfläche des UFOs. Im Innern die Energiequelle, Computer und Sensorik.
Ein weiteres "Science-Fiction" Drohnen-Projekt macht ebenfalls weitere Fortschritte.
Ein Forschungsbereich des französischen
Forschungs- und Entwicklungslaboratoriums für Luft- und Raumfahrt Onera widmet sich der Entwicklung von Drohnen unterschiedlicher Größe. Für die Micro-Drohnen, die ungefähr die Größe eines Vogels annehmen sollen, entwickelt man im
Decawatt Projekt Micro-Turbinen, die für die Micro-Drohnen dereinst die nötige Energie erzeugen. Im Dezember 2007 haben die Onera Wissenschaftler eine Mini-Verbrennungskammer mit einer Breite von 1,4 Zentimetern vorgestellt, die der Erprobung dient und eines der Bestandteil einer Gas-Micro-Turbine ist, die nur 2 Zentimer hoch und 2 Zentimer im Durchmesser ist:

Die Verbrennungskammer, in die separat durch zwei Zuleitungen Wasserstoff oder Propan und Sauerstoff zugeführt wird.
Zuvor hatte man mit einer Vormischung der beiden Gase experimentiert, wie auf dieser Schemazeichung zu sehen, aber die separate Zuführung trägt zur Miniaturisierung bei.

Die eigentliche Turbine besteht aus Silizium und wird vom Hersteller mikro- und mikro-elektro-mechanischer Systeme (MEMS)
SilMach hergestellt:

Abbildungen: Onera.
Laut Angaben der Onera Wissenschaftler könnte die Turbine in eine der vogelgroßen Micro-Drohnen verbaut werden, die eine Flügelspannweite von 15 bis 20 Zentimeter aufweisen würden. Die Turbine soll so viel elektrische Energie produzieren, dass eine Micro-Drohne für dreißig Minuten fliegen kann, 50 bis 100 W geben dafür die Wissenschaftler an. Zusätzlich muss genug Energie zur Verfügung stehen, um eingebaute Mini-Videoüberwachungskameras, Kommunkationsrelays und Sensoren betreiben zu können.
An der
Clark School und dem
MEMS Sensors and Actuators Laboratory der Universität von Maryland wurden 2008 zum ersten Mal Mikromaschinen
entwickelt, die für die rotierenden Bestandteile in Mikro-Turbinen, -pumpen und -motoren Kugellager mit Mikrokugeln einsetzen, die in den Mikro-Turbinen für bis zu 87000 Umdrehungen pro Minute sorgen. Die Forschung an den Mikro-Maschinen wird durch das U. S. Army Redearch Office finanziert. Später sollen die Mikro-Maschinen in kleinen Stromgeneratoren zum Einsatz kommen, die Soldaten statt schwerer Batterien bei sich tragen und in Mikro-Robotern, Nano- und Mikro-Drohnen.

Schema der Mikro-Turbinen und -Pumpen mit Kugellagerung.
Die Drohnen werden im
Morpheus Laboratory,
Autonomous Vehicle Laboratory,
Microsystem Mechanics Center (zugleich Micro Autonomous Systems and Technology (MAST) Collaborative Technology Alliance (CTA) Center der U. S. Army) und im
Alfred Gessow Rotorcraft Center der Universität mit Unterstützung der NASA, der DARPA und den Forschungsabteilungen der Army und Air Force entwickelt.
Zu ihnen gehören
biomechanische Ornithopter-Drohnen wie die "Odyssey", aber auch
insektoide Mikro-Drohnen. Beteiligt ist man auch an Projekten zur Entwicklung
insektoider Mikro-Roboter, die eines Tages in autonom agierenden, vernetzten Schwarmverbänden zum unbemerkten Überwachen, Aufklären und Aufspüren dienen sollen, wie
zwei Folien aus
zwei Vorträgen von U. S. Army und Navy Vertretern zu MAST-CTA Programmen aus dem Jahr 2006 anschaulich präsentieren:

Man beachte die Abbildungen von Mikro-Turbinen in der zweiten Folie. Die gab es bereits 2006 und nicht 2008.
Von den gleichen Einsatzkapazitäten wie die US-Militärs träumen auch die Onera Wissenschaftler, Militärs und Geheimdienste, wie anhand einer nett gemachten
Flash-Animation zur REMANTA Micro-Drohne deutlich wird.

Remanta Micro-Drohnenmodell von Onera.
Mit dem
REMANTA Projekt, das 2002 begann, wollten die Wissenschaftler keinen anwendungsreifen Prototypen einer Micro-Drohne entwickeln, sondern erforschen, wie gut sich der Flügelschlag als Antriebsprinzip für eine Micro-Drohne eignet, das auch Wood bei seiner
Roboter-Fliege mit biomimetischen Flügeln verfolgt.
Im Dezember 2008 sorgte eine Animation für Aufsehen, die von der Zeitung
Chicago Tribune veröffentlicht und von
General Dynamics für das
Air Force Research Laboratory (AFRL) produziert wurde, in der die Wissenschaftler des AFRL ihre Vision einer Mikro- oder Nano-Drohne und ihrer erwünschten Fähigkeiten präsentierten:

Die Mikro-Drohnen werden von größeren Drohnen über einem zu überwachenden Gebiet "ausgesät". Die Mikro-Drohnen können selbstständig ihre Batterien über das
Anzapfen von Stromleitungen wieder aufladen.

Im Kopf der Mikro-Drohne ist eine bewegliche Videoüberwachungskamera untergebracht, die so leistungsfähig sein soll, dass sie Personen aus größeren Entfernungen aufnehmen kann und die Bilder zur Identifizierung ins Kontrollzentrum überträgt. Setzt sich eine verdächtige Person in Bewegung, kann die Mikro-Drohne die Verfolgung aufnehmen. In der Animation werden eigentlich drei Drohnen-Konzepte verarbeitet: Die der
insektoiden Drohnen, des
Nano Air Vehicle (NAV) und der
vogel- oder fledermausähnlichen Drohnen.

Für die militärischen Wissenschaftler ist besonders wichtig, dass die Mikro-Drohnen über die
"Optical Flow" Flugeigenschaften und automatische Systeme zur Selbststeuerung und Navigation verfügen, um sowohl in engen Flugkorridoren mit zahlreichen Hindernissen und Winkeln, wie sie in Straßen und Städten zu finden sind, als auch in Räumen von Gebäuden operieren zu können, wo sie unbemerkt in Wohnungen eindringen und Personen observieren sollen.

Wie bei den großen Überwachungs- und Killer-Drohnen sollen auch die kleinen Mikro-Drohnen in
Schwarmverbänden operieren können. Im Schwarm mit koordinierter Flugformation können u. a. die Videostreams der einzelnen Drohnen zu einem Videostream zusammengefügt werden, um eine größere Videoabdeckung zu ermöglichen oder mehrere Orte zugleich auszuspionieren.

Zu weiteren Aufgaben der Mikro-Drohnen könnte die Videoaufklärung vor Fenstern oder die Markierung von Zielen mit Lasern für den Einsatz von Lenkraketen gehören. Ein weiterer Einsatzzweck wäre laut der Animation die Verwendung der Mikro-Drohne als ferngelenkte Waffe, die zur Tötung einzelner Zielpersonen dient. Die Mikro-Drohne könnte zum Beispiel mit einem künstlichen Stachel ein schnell wirkendes Gift injizieren, ein Mikro-Projektil abfeuern oder selbst am Körper des Opfers explodieren.

Neben dem Flug in allen möglichen Flugräumen sollen die Mikro-Drohnen auch auf allen möglichen Landeplattformen landen, dort ausharren und sich krabbelnd fortbewegen können. Das alles "unauffällig, überall und tödlich".
Noch spielt sich das alles mehr oder weniger im Labor ab. Im Oktober 2007 berichtete die Washington Post im Artikel
Dragonfly or Insect Spy? Scientists at Work on Robobugs über erste Sichtungen geheimer insektenähnlicher Micro-Drohnen auf politischen Kundgebungen in New York und Washington. Das die Sicherheitsbehörden bereits taugliche Micro-Drohnen im Einsatz haben, ist angesichts des frühen Experimentalstadiums und der offenen Fragen nach der besten Energieversorgung, dem optimalsten Antriebsprinzip und der Verfügbarkeit aller nötigen Bauteile im MEMS-Format eher fraglich.
Fakt ist aber, dass erste Wettbewerbe für die Micro-Drohnen auch in Frankreich laufen, wie der
Challenge Minidrones, der von Onera und dem französischen Verteidigungsministerium ausgerichtet wird uns bis 2009 andauert. Und bei der DARPA stehen
Plasma-Antriebe für Micro-Drohnen und
Nano Air Vehicle auf dem Programm, die mit einer Länge von 7,5 Zentimeter schon an insektenähnliche Drohnen denken lassen.
Via Flight Globals Meldungen
GFS enters new flying-saucer UAV in UK MoD's Grand Challenge und
ONERA develops micro-UAV gas turbine engine.
Siehe auch:
AP -
US Develops Tiny Flying Robots (22.11.2008)
Aviation Week -
Unmanned Vehicles Mimic Insects (12.01.2009)
Proxflyer, der Entwickler von Mini-Ornithoptern und Helikoptern, die schon bei Experimenten zu Drohnen in Schwarm-Verbänden im Einsatz waren, hat sich mit der Entwicklung eines Spionage-Minihelikopters für die Jackentasche ein neues ergeiziges Ziel gesetz
Aufgenommen: Apr 06, 10:29
Auf ein mysteriöses Forschungsprogramm bin ich bei den Recherchen zu Eränzungen des Beitrags Unbemannte Invasoren in der Stadt gestolpert, das an die niederländische Vogel-Drohne erinnert, nur das man es hierbei mit der fortschrittlichen "3.0" Version zu
Aufgenommen: Okt 03, 01:33
Die Science Fiction Fans werden die Sucher-Drohne aus "Dune" oder die Schwärme von Spider-Robotern aus dem Film "Minority Report" kennen, mit denen Menschen aufgespürt und ausgeschaltet werden können. Spider Suchroboter aus dem Film "Minority Report".
Aufgenommen: Okt 23, 11:24
Aufgenommen: Jan 14, 12:01